Höhepunkt des Jahres
In diesem Jahr fand die DaF-Webcon vom 28.1.–30.1.2026 statt und hat mit einigen Fundstücken geglänzt. Anders gesagt, sie war beeindruckend, die DAFWEBKON 2026 und wie es eine Teilnehmerin formulierte: Die DAFWEBKOn ist mein Höhepunkt des Jahres.
Die Bezeichnung verdient die online Fachmesse für Deutsch als Zweit- und Fremdsprache zurecht, die es seit Mai 2012 gibt und dieses Jahr ein kleines Jubiläum feierte. Seit 15 Jahren ermöglicht die DaFWEBKON Deutschlehrenden weltweit Austausch und Vernetzung, die Möglichkeit, Einblicke in aktuelle linguistische und pädagogische Forschung zu erlangen, kulturelle Perspektiven sichtbar zu machen und zu erweitern und dazu spannenden Vorträgen zu lauschen. Aber auch Kinder der Praxis kommen hier auf ihre Kosten: Einblick in aktuelle Projekte als Inspirationsquelle gibt es obendrein. Auch über den Zeitraum der Messe hinaus für alle Interessierten verfügbar:
Noch bis 15.02.26 geöffnet

Noch bis 15. Feb. 2026 ist die DaFWEBKON-Fachmesse geöffnet. Schau rein, klick dich durch und erfahre Interessantes von bekannten Branchengrößen und jungen Startups!
Auf vielen Ständen gibt es die Möglichkeit, zeitlich beschränkte Gratiszugänge zu Plattformen, E-Books etc. zu erhalten. Auch auf dem Stand des Narr-Verlages zu “Deutsch in Europa”
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Künstliche Intelligenz im Klassenzimmer
Ein beliebtes Thema war auch dieses Jahr künstliche Intelligenz, Nutzung und Umgang mit KI, sowohl bei der Vorbereitung als auch beim direkten Einsatz im Klassenzimmer selbst, angefangen schon in der Grundschule. Die Frage nach gezieltem Einsatz von KI wurde nicht zum ersten Mal aufgegriffen.
Wie kann künstliche Intelligenz gezielt eingesetzt werden, um nicht nur Vorbereitungszeit zu sparen, sondern auch neue Fußspuren auf oft gegangenen Wegen zu hinterlassen, vielleicht sogar unbekannte Seitengassen zu erschließen und gleichzeitig kritisches Denken und verantwortungsbewussten Umgang mit neuster Technik zu schulen?
Neu mag dieser Gedankengang nicht sein, überrascht hat die Messe jedoch mit der kreativen und spielerischen Auseinandersetzung mit diesen Themen. Von Vorträgen über Bias – wie verschärft künstliche Intelligenz unsere inhärente Voreingenommenheit, bis hin zur aktiven Beteiligung der Teilnehmenden in Spielen wie Schlag die KI, war am 29.1.2026 einiges geboten.
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Unsere Highlights
In den straff getimten, ultrakurzen Kurzvorträgen mit rigidem Zeitregime gaben Referentinnen und Referenten Einblicke in aktuelle Projekte. Besonders interessant war der Einblick in das Projekt von Alona Cherniuk über „Redewendungen neu denken: kreativ, interkulturell, lebendig“, bei dem Deutschlernende aus der elften Klasse in der Ukraine verschiedene Redewendungen kreativ miteinander kombiniert haben, um neue Sprachbilder zu erzeugen. Als ein Beispiel wurde hier aufgeführt „in den sauren Apfel beißen“ und als Bild in ein anderes Sprichwort integriert. Die Schülerinnen und Schüler haben ein Poster erstellt und zwei verschiedene Sprachbilder als kleine Geschichte präsentiert – eine schöne Idee, um nicht nur Sprachbilder zu dekodieren, sondern auch um Kultur sichtbar zu machen, bei deren Gestaltung die Schülerinnen und Schüler sicher Spaß hatten.
Ein weiteres Juwel war der Vortrag zum Thema: „Allen Biases zum Trotz: Kulturreflexives Arbeiten mit KI im DaF-Unterricht der Erwachsenenbildung“ von Sylvia Dally.
Angefangen mit der Frage, warum das Wort Bias zurzeit in aller Munde ist, obwohl gerade der deutsche Sprachraum eine Vielschicht an Übersetzungen liefert wie Voreingenommenheit, Disposition oder Vorannahme, wurde über die Etymologie eine Brücke zum aktuellen Diskurs geschlagen.
Pejoration: Das Bild eines schief geschnittenen Stoffes wird moralisch aufgeladen
Ein ursprünglich aus der Geometrie entwendeter Begriff für schiefe Linien (von indogermanisch *sker / *ker schneiden, biegen, krümmen), also ein gegen die Faser geschnittener Stoff, wird moralisch aufgeladen. Indem dieses Bild ins Denken wandert, wird aus einer Richtung ein moralisches Problem. Nachdem Objektivität zum Maßstab gesetzt wurde, wurde Abweichung negativ konnotiert. Einst schief, heute falsch.
Warum benutzen wir diesen unpräzisen Begriff, wenn das Deutsche so reich an Möglichkeiten ist?
Als internationale Wissenschaftssprache bietet es sich geradezu an, den englischen Begriff zu verwenden. Aber mehr noch, da, wo der Urheber fehlt, derjenige, der schuld an diesem Dilemma hat, eignet sich das Ausweichen auf einen „präzise unpräzisen Begriff“ besonders, so Dally.
Künstliche Intelligenz, die Studien zufolge Vorurteile verschärft und so beispielsweise Dialekt und Varietät mit niedriger Intelligenz in Verbindung bringt, während Sprechern einer Standardsprache eine höhere Intelligenz unterstellt wird, kann nach aktuellem Stand kein Urheber sein, die Verantwortung (Stand Januar 2026) obliegt den Nutzern. Zwar sind die Entwicklungen zu beobachten, jedoch steht im Zentrum eine andere Frage.
Wie kann man das Wissen um Voreingenommenheit nun gezielt dazu nutzen, um Biases sichtbar zu machen und ins Bewusstsein zu rufen?
Ein Beispiel zeigte Dally, indem sie verschiedene Prompts in unterschiedliche Sprachen übersetzen ließ, beispielsweise sind Eigenschaften wie Gleichheit im Französischen positive konnotiert, während sie im Russischen eher negativ aufgeladen waren. Weiterhin wurden Charaktereigenschaften zum Beispiel von Führungspersonen in verschiedenen Sprachen auf Konnotation und Pejoration untersucht.
Mit gezieltem Einsatz kann man demnach KI mit den eigenen Waffen schlagen, kognitive Verzerrung enttarnen und entwaffnen, anstatt sie zu verstärken.
